
"Where do you come from?" Kein Satz wie dieser macht Dir überall in der Welt die Türen auf. Mit keinem Satz wie diesem bist Du sofort im Gespräch mit wildfremden Menschen. Er öffnet die Herzen der Finnen, Chinesen und Australier. "Ah, Germany, da war ich auch schon mal." Und dann erfährst Du auch gleich, was alles "included" war in der "See Germany in five Days"-Tour und von dem Vetter mütterlicherseits, der einst in "Ssindälfingän" bei IBM gearbeitet hat. Schnell kommst Du auch auf "German beer", das wir alle so lieben. Und wenn Du dann Glück hast und Dich auch noch auskennst mit Beckenbauer, Schweinsteiger und so - "ah, the World Championship 2006 - super party" - dann kennt das Gemeinschaftsgefühl im globalen Dorf kein Halten mehr.
Wenn Du den Menschen im Ausland dann näher kommst - sei es als Teenie beim ersten Sprachkurs, beim Schulaustausch, im Praktikum, Studiensemester oder als Expatriate im Job - kommst Du in Gesprächen recht bald über die Hofbräuhaus- und Drosselgassen-Glückseeligkeit hinaus. Und dann fängst Du an, etwas mehr von Deinem Land zu erzählen. Du versuchst zu erklären, wie die Menschen so sind, was wir außer Sauerkraut noch gern essen und außer dem Dom in Köln für Locations haben, bei denen die Reisebusse nicht halten.
Wenn Journalisten zusammensitzen, dann kommt garantiert einer auf die Idee, dass man darüber mal was schreiben muss. Mindestens eine Artikelserie. Ach nein, am besten gleich ein Buch. Tolle Idee: Wir schreiben ein Buch über Deutschland. Es muss von Dichtern und Denkern berichten, über technische Innovationen und bedeutende Künstler, einen Blick in die Kochtöpfe und Backstuben werfen, sich mit Sport und Freizeit befassen, mit Festen und Feiern und den völlig absonderlichen Spleens der Deutschen. Also quasi von Goethe, Gutenberg und Gugelhupf über Karneval und Kieler Woche bis zum Samstags-Sportschau-Gucken und Sortieren von Müll. Dabei wollen wir uns mit den Klischees befassen, die Ausländer sofort im Kopf haben, wenn sie an Deutschland denken, wollen aber hinter sie schauen: Wer hat eigentlich die Kuckucksuhr erfunden?
Und wir wollen das andere Deutschland zeigen, das stille, das moderne, das innovative, das junge Deutschland.
Je bunter die Mischung, desto besser: Mal lustig, mal ernst, mal wissenschaftlich, mal selbstironisch. Auf jeden Fall wollen wir Spaß daran haben, es zu schreiben und unsere Leser sollen die Texte genießen. Und viele, viele Bilder sollen rein, möglichst ungewöhnliche Perspektiven, die wir noch nicht tausendmal gesehen haben.
Wir schreiben also ein Buch in deutscher Sprache und übersetzen es zuerst ins Englische. Denn unsere Leser sollen ja Menschen in anderen Ländern sein. Vielleicht kommen ja dann nach und nach noch Übersetzungen in andere Sprachen hinzu? Vielleicht macht ein chinesischer Verlag eine Auflage in Mandarin? Na, ja, man kann ja mal spinnen.
Unser Ziel: Das Buch soll im Herbst 2010 auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt werden. Wir wollen es allen anbieten, die immer mal wieder ein Buch über Deutschland verschenken möchten: An Freunde und Verwandte im Ausland, an Geschäftspartner, an Gasteltern beim Schüleraustausch, an Kommilitonen beim Auslandssemester. Es soll typisch sein für Deutschland, uns und unser Land von vielen Seiten zeigen, auch den Seiten, die uns vielleicht etwas peinlich sind: Was finden eigentlich die Kleingärtner an den Gartenzwergen? Keine Ahnung, aber wir können ja der Frage mal nachgehen. Klischees sind auch lustig, wenn man mal dahinter guckt. Kurz und gut: Es soll ein Buch werden, bei dem wir das Gefühl haben: Wir haben uns gut getroffen!
DIE ZWEITE ZÜNDSTUFE: DAS BUCH AUS DEM NETZ
Der Kreis unserer Mitschreiber war anfangs verteilt auf Köln, Düsseldorf, Sydney und Shanghai. Also war uns schnell klar: Wir schreiben das Buch auf einer gemeinsamen Plattform im Internet. Doch dann stellte aus dem Off einer die Frage: Und warum lasst ihr dann nicht gleich jeden mitschreiben, der Lust dazu hat? Das war es! Viele Autoren, viele Ideen, viel Wissen, ein buntes Buch!
Gesagt, getan. Wir starten also das erste weltweite Autoren-Buchprojekt. Jeder, der was schreiben will über Martin Luther, die Documenta oder Lübecker Marzipan kann sich beteiligen - im Inland oder Ausland, in Deutsch oder Englisch. Jeder kann hier Autor sein. Alles was klar ist: Gedruckt wir im September 2010. Der Rest ist ein spannendes Experiment.
DIE DRITTE ZÜNDSTUFE: NOCH MEHR BÜCHER
Doch damit immer noch nicht genug: Die Kollegin in Sydney hatte solchen Spaß an der Sache, dass sie sofort anfing, ein Konzept zu machen für ein weiteres Buch: 10x10 Typisch Australien. Bei diesem Buch denken wir eher an Leser in Europa, die Australien lieben und gerne dorthin reisen.
Kennst Du Australien? Oder gibt es andere Länder, in denen Du schon gelebt hast? Oder die Du auf Reisen gut kennen gelernt hast? Wir sind offen dafür, aus dem Projekt eine Reihe zu machen, wenn ihr euch einbringt.
Also: Schreib doch mit! Oder stell Deine besten Fotos ein.
Also: Auf kollegiale Zusammenarbeit im Redaktionsteam!
Annette Eicker